Über

Lieber Postbote,

ich würde mich dann gleich auch mal entschuldigen. Und entschuldige, dass ich mich entschuldige, aber ich mach’ das dauernd, das ist wie ein Zwang. Den hab’ ich mir über die Jahre antrainiert. Denn wenn man schneller redet, als man denkt, dann muss man sich dauernd entschuldigen. Das geht einem in Fleisch und Blut über. Das wird zwanghaft. Ach, das erwähnte ich bereits, entschuldige. Womit ich wieder beim Anfang wäre. Also entschuldige, denn ich weiß sehr wohl, dass Du gar kein Postbote, sondern eine Postbotin bist. Immer, wenn ich Dich sehe, bist Du eine Postbotin. Du hast einen Pony und hellblonde Strähnchen in Deinen dunkelblonden Haaren. Könnte natürlich auch altersbedingtes Ergrauen sein, aber ich tippe auf Strähnchen, weil Du auch Strähnchen-Hosen und Strähnchen-Schuhe trägst.
Aber wie klingt denn das? Briefe an die Postbotin? Das klingt doch scheiße! Das klingt nicht mal wie „Briefe an die Mutter“, sondern gleich wie „Briefe an die Vaterin“. Wer will denn so was lesen, geschweige denn schreiben?

Und ganz ehrlich, ich will auch eigentlich keine Briefe an Dich schreiben. Wieso dann überhaupt dieser Titel? Na, wegen des Titels!

Grüße,
P.S.