Liebe Relevanz

Donnerstag, 26. Juli 2007 07:50

Wie unwichtig du geworden bist! Meine Fresse, ich kann dich kaum noch sehen, platt gedrückt wie du mittlerweile rumliegst. Und ist das nicht witzig, dass ausgerechnet Gehalt, Inhalt, Content für deinen lausigen Zustand verantwortlich sein dürften? Ich meine, hey, Gehalt, Inhalt, Content — die drei, die dir eigentlich so nah sind, die drei, die eigentlich mal deine besten Freunde waren, so rein begrifflich, die haben dich nun — pardautz — fast auf dem Gewissen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Beziehungsweise versuchen, denn bis man den Gehalt, den Inhalt, den Content eines ganzen Reissacks weg gelutscht hat, könnte reichlich Zeit ins Land gehen. Macht deswegen keiner. Weil Content Geld ist und Zeit ja sowieso. Da kommt der Sack gelegen, denn den kann man — zack, zack — aufstellen und — zack, zack — wieder umfallen lassen. Apropos zack, zack: Du, liebe Relevanz, solltest vielleicht mal hurtigst damit beginnen, an den Reflexen zu arbeiten, solange noch Zeit ist. Vielleicht klappt es dann irgendwann mit dem Ausweichen. Und apropos Zeit: Ich muss dann auch jetzt los.

Gehaltvolle Grüße,
P.S.

Liebe Städte

Montag, 09. Juli 2007 18:34

Hört doch mal bitte auf mit diesen Aufnahmen von sonnenbestrahlten Plätzen (inklusive Springbrunnen, Statue, historisches Gebäude, Straßencafé plus bunte Schirme), mit denen ihr für eure bereisbare Lebenslust werbt. Die Aufnahmen, die immer gerammelt voll sind mit neben- oder aufeinander gluckenden jungen, hübschen und wild rumknutschenden Menschen, mit Menschen, die sagen, aber ohne Worte, weil sie ja den Mund voll haben, also die sagen: »Los, komm in unsere Stadt, dann klappt’s auch mit dem Knutschen!« Und wer, bitteschön, knutscht nicht gerne? Aber ach, alles Lüge!

Kleiner Einschub: Ist es schon mal jemandem außer mir aufgefallen, dass man in zwölf von zehn Fällen das Wörtchen ‘knutschende’ mit dem Wörtchen ‘Pärchen’ kombiniert? Pärchen knutschen, Paare küssen, aber höchstens flüchtig. Ganz eigentlich schubbern sich Paare nur gegenseitig die Schuppen von den Schultern. Doch zurück zu euch, ihr Schummel-Städte:

Man macht sich also auf den Weg zu euch, weil man ein mittelalter Sack, respektive eine Säckin ist, der/die auch noch mal will, nämlich spüren — auf Treppen, Bänken, an Brüstungen lehnend, kurz: überall. Man ist so kirre vor Aufregung, dass man schon mit gespitzten Lippen und halb geschlossenen Augen aus Zug oder Flugzeug steigt, und dann steht da niemand anderes mit spitzen Lippen und halb geschlossenen Augen. Nicht mal die bessere Hälfte, mit der man gedachte, sich durch Sonne und Stadt und Platz und den darauf Rumknutschenden inspirieren zu lassen, um der — sagen wir, wie es ist — um der vor sich hin schwabbelnden Beziehung zu neuer Elastizität zu verhelfen. Und reist man mit dem Auto an, findet man keinen Parkplatz.

Hat man sich dann von der ersten Enttäuschung erholt und/oder tatsächlich einen Parkplatz gefunden, sammelt man seinen Optimismus, nennt sich selbst Knallkopp, weil zum Knutschen ja Springbrunnen, Statue, historisches Gebäude und Straßencafé mit bunten Schirmen und nicht Bahnsteig, Gepäckband oder ein ganz ungesund an den Bordstein gequetschter Vorderreifen gehören und macht sich beschwingt auf zum berühmten Zentrum. Doch dort ist der Springbrunnen aus, Statue und historisches Gebäude sind nicht sichtbar, weil in Restaurationsgerüste und -planen gehüllt. Dazwischen umso planlosere Touristen, die ausreichend damit beschäftigt sind, sich ihr Reiseziel so vorzustellen, wie sie es auf euren Mogelbildchen gesehen haben, um schließlich ersatzweise die Restaurationsmaßnahmen oder Tauben zu knipsen. Und die Straßencafés mit den bunten Schirmen? Die gibt es, aber da kostet der Kaffee fünf Euro. Den leisten sich lediglich die betagten Mitglieder einer Reisegruppe aus Wachtendonk, und zwar nur, um sich überhaupt mal was im Leben zu leisten. Spaß macht denen das nicht, die griesgrämigen Gesichter verraten es.

Da steht man also, schaut sich um, keine Pärchen weit und breit, knutschende gleich gar nicht, weil die eine mögliche Hälfte im Einkaufszentrum die neuesten H&M-Hemdchen ausprobieren muss, während die andere mögliche Hälfte an Rolltreppen steht und sich zu-ess-em-esst, dass die Sabrina ja voll den geilen Arsch hat. Die Knutschlust bleibt einem im Halse stecken, ist gar wie weg geblasen. Man denkt an die eigenen vier Wände, in denen der Kaffee preiswerter ist und der Zimmerspringbrunnen funktioniert und wo die auf Timelife-DVDs gebannten historischen Gebäude niemals durch Planen, höchstens durch Fahnen und auch nur teil-verhüllt sind. In der Ferne plötzlich zwei Menschen, Mann und Frau. Sie wendet sich ihm zu. Hoffnungsschimmer! Dann schubbert sie ihm die Schuppen von den Schultern.

Enttäuscht von der Enttäuschung, die ihr verbreitet,
P.S.

P.S. Neulich, zugegeben, sah ich ein knutschendes Pärchen. Das erste seit sicherlich Monaten, wenn nicht gar Jahren und damit den Grund für diesen dezent überzogenen Text. Die beiden saßen auf einem kleinen Mäuerchen (sie auf seinem Schoß, er mit der Hand unter ihrem Shirt) vor dem Supermarkt, in dem die Bürotürmler, die im Norden Münchens den Tag über telefonierend Content generieren, ihre Schuppenshampoos kaufen. Sicher Absicht.

Mein lieber Scholli…

Samstag, 30. Juni 2007 11:26

… und Herr Gesangsverein, mein lieber Schwan, liebe Güte, liebes Bisschen und ach, du liebes Lieschen, fast hätte ich dich vergessen. Ich weiß nicht, ob ihr es schon bemerkt habt, deswegen sag’ ich es euch jetzt mal in aller Deutlichkeit: Ihr nervt! Die Tage, in denen ihr ehrliches Erstaunen ausgedrückt habt, sind lange gezählt. Spontan, reflexartig nutzt euch niemand mehr. Statt dessen kleben euch mitteltalentierte Textarchitekten aber auch wirklich alle naselang als ironisch bröckelnden Stuck in die Ecken ihrer wannabe-amüsanten Ausführungen über das Leben im Allgemeinen und über ihres im Speziellen. Boah ey!
Jetzt könntet ihr natürlich altklug (Mehr als altklug habt ihr eh nicht drauf!) argumentieren, dass das ja nicht eure Schuld sei. Dass das ja bitteschön ganz allein auf die Kappe der mitteltalentierten Texter gehe und das man euch auch gerne in Frieden ruhen lassen könne. Von wegen! Dieses Rumgammeln ist doch Masche! Ihr weigert euch doch bewusst, den einzigen Schritt zu gehen, der euch eures Sonderpostens entheben würde, nämlich den Schritt, mit der Zeit zu gehen.

Mein lieber Scholli, in Hamburg leben sicherlich mittlerweile mehr Türken als es jemals Franzosen dort hatte, als du noch »ma chère jolie« warst. Das nur als dezenter Hinweis. Was du aus »fistik« machst, würde ich übrigens ganz dir überlassen. Mein lieber Herr Gesangsverein, probier’ es doch mal als liebe Boy- beziehungsweise Girlgroup. Lieber Schwan, wie wäre es als lieber Bullterrier oder Ratte oder Schoßhündchen, je nach sozialer Gruppierung. Liebes Lieschen, dass Du schon seit Jahren im besten Falle das liebe Lisa-Mariechen bist, hat dir wohl auch keiner gesagt, was? Und ihr beiden, liebes Bisschen und liebe Güte, ihr seid ja sowieso die schlimmsten von allen. Bisschen heutzutage? Bisschen was? Bisschen Güte? So würde es nämlich passen.

Aber das traut ihr euch sowieso nicht. Lieber lieb weiter bröckeln und nerven, was?

Heilige Scheiße!
P.S.

Lieber Zustand

Freitag, 29. Juni 2007 07:21

Wer ist eigentlich für dich zuständig? Könntest du ein Treffen arrangieren? Ich würde demjenigen welchen nämlich gerne mal die Meinung geigen. Mit Pauken und Trompeten. Der hört die Englein singen, wenn ich mit ihm fertig bin. Das darfst du ihm natürlich so nicht sagen, sonst kommt das Treffen ja niemals nicht zustande. Was? Das alles fällt nicht in deinen Zuständigkeitsbereich? In wessen dann?

Ach, leck mich doch!
P.M.S.

Lieber Postbote

Mittwoch, 27. Juni 2007 15:35

Ich würde mich dann auch gleich mal entschuldigen. Und entschuldige, dass ich mich entschuldige, aber ich mach’ das dauernd, das ist wie ein Zwang. Den hab’ ich mir über die Jahre antrainiert. Denn wenn man schneller redet, als man denkt, dann muss man sich dauernd entschuldigen. Das geht einem in Fleisch und Blut über. Das wird zwanghaft. Ach, das erwähnte ich bereits, entschuldige. Womit ich wieder beim Anfang wäre. Also entschuldige, denn ich weiß sehr wohl, dass Du gar kein Postbote, sondern eine Postbotin bist. Immer, wenn ich Dich sehe, bist Du eine Postbotin. Du hast einen Pony und hellblonde Strähnchen in Deinen dunkelblonden Haaren. Könnte natürlich auch altersbedingtes Ergrauen sein, aber ich tippe auf Strähnchen, weil Du auch Strähnchen-Hosen und Strähnchen-Schuhe trägst.
Aber wie klingt denn das? Briefe an die Postbotin? Das klingt doch scheiße! Das klingt nicht mal wie „Briefe an die Mutter“, sondern gleich wie „Briefe an die Vaterin“. Wer will denn so was lesen, geschweige denn schreiben?

Und ganz ehrlich, ich will auch eigentlich keine Briefe an Dich schreiben. Wieso dann überhaupt dieser Titel? Na, wegen des Titels!

Grüße,
P.S.